In den Vereinigten Staaten von Amerika erfinden Karrieristen passende Hochschulabschlüsse, in Deutschland fälschen ähnlich gestrickte Menschen mit großem Aufwand umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten. Erstaunlich, dass sich ein Land mit so verstaubten Bildungsidealen am Weltmarkt behaupten kann.
Normalerweise orakeln Kulturpessimisten vom Ende der ehrwürdigen Schriftkultur durch das vulgäre Internet, und jetzt stellt sich heraus – ausgerechnet die Schrift sorgt für unflätige Kommentare und Flamewars:
Unsere Kommunikation basiert auf gesprochener Sprache. In dieser sind wir wirklich trainiert, verstehen Anspielungen, Hintersinn, Ironie. Geschrieben hingegen wird erst seit ein paar Tausend Jahren. Die Fähigkeit, Schrift zu verfassen und zu verstehen, müssen wir mühsam erlernen, die Chance für Missverständnisse ist damit viel höher.
Was sind schon ein paar tausend Jahre? Es ist wirklich kein Wunder, dass die Menschen mit dieser brandneuen Kulturtechnik noch nicht richtig umgehen können.
Innerhalb der US-Regierung steht die Idee eines freien Willens nicht besonders hoch im Kurs:
Es ist unvermeidlich, dass schlimme Dinge passieren, wenn sich ein paar Kerle im Ausland befinden und von vielen Frauen umgeben sind, die sie mit Aufmerksamkeit überschütten.
Auf den ersten Blick sind die Fronten zwischen Verlagen (My point is that I don’t believe people actually give a flying frog about file size—they care about value.
) und Leserinnen (Use plain text for layout. HTML would be great.
) immer noch so verhärtet wie vor zwei Jahren: Die Verlage erstellen Druckfassungen ihrer Magazine und bieten sie als Bildersammlung zum Download an – Why would people pay for something that looks like a web site?
– und die Leserinnen würden Drucklayouts gern gegen kleinere Downloads und flexiblere Handhabung eintauschen.
Allerdings beginnen einige Verlage auszuscheren:
We sold 353 subscriptions through the iPad. We never discovered how to avoid the necessity of designing both landscape and portrait versions of the magazine for the app. We wasted $124,000 on outsourced software development. We fought amongst ourselves, and people left the company. There was untold expense of spirit. I hated every moment of our experiment with apps, because it tried to impose something closed, old, and printlike on something open, new, and digital.
Last fall, we moved all the editorial in our apps, including the magazine, into a simple RSS feed in a river of news. We dumped the digital replica. Now we're redesigning Technologyreview.com, which we made entirely free for use, and we'll follow the Financial Times in using HTML5, so that a reader will see Web pages optimized for any device, whether a desktop or laptop computer, a tablet, or a smart phone. Then we'll kill our apps, too.
Wow. Vielleicht schafft die Branche doch noch die Wende, bevor sich das Problem von selbst erledigt.
Laut Nokias Aufsichtsratsvorsitzendem hat das Unternehmen keine Probleme. Um mit den Worten eines Marktbegleiters zu sprechen: Wake Up.
Auf seine alten Tage wird Herr Eppler bermerkenswert unpolitisch:
Was die im Artikel 2 des Grundgesetzes garantierte freie Entfaltung der Persönlichkeit
und die Eigentumsgarantie aus Artikel 14 für das Internet bedeuten, erklärt uns früher oder später das Verfassungsgericht. Wir werden dann auch nebenbei erfahren, ob der Freiheitsbegriff der Piraten dem der Verfassung entspricht.
Ich wünsche Herrn Eppler sehr, dass das BVerfG zu seinen Lebzeiten auch noch soziale Gerechtigkeit herstellt sowie einen unhintergehbaren Gottesbeweis vorlegt.
Die IG Metall hat ein sehr enges Verständnis von Allgemeinbildung:
So sollte ein Automobilingenieur etwas von Automobilproduktion an sich verstehen und nicht nur vom Karosseriebau einer speziellen Modellreihe.
Alternde Microsoft-Produkte brauchen ein dickes Fell. Nachdem dem IE 6 selbst die eigene Mutter den Krieg erklärt hat, geht es Word höchstselbst an den Kragen. Schon seit längerem werden würdige Nachfolger benannt, jetzt ist es offenbar Zeit zu sterben. Dabei beschränkt sich der wütende Mr. Scocca nicht nur auf das Phänomen der sinnfreien Word-Attachments, sondern verdammt gleich sämtliche Ribbons, den überladenen HTML-Export und überhaupt die ganze Applikation.
Sehr erfrischend, einerseits. Andererseits: Ich lebe leider nicht in der Parallelwelt, in der Scharen missmutiger Word-Nutzerinnen spontan auf Ubuntu Linux umsteigen und fortan Texte mit vim bearbeiten.
Die Mehrheit der Bevölkerung. Arbeitgeber. Gewerkschaften. Sozialverbände. Das Grundgesetz. Der Koalitionspartner. Die eigenen Leute. Und natürlich die Sozen.
Vielleicht will die Bundeskanzlerin mit dem Betreuungsgeld demonstrieren, dass sie eben doch prinzipienfest sein kann.
Computer sind unoriginell und unüberwachbar, Menschen werden dagegen in großem Stil überwacht.
Leider lässt sich daraus nicht ableiten, dass alle überwachten Menschen besonders originell sind.
Joachim Herrmann hat ein Verständnisproblem:
Ich verstehe nicht, welches Problem Einzelne damit haben, wenn in Schulen das Symbol unseres christlichen Glaubens hängt. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland sieht darin nach wie vor die entscheidende Prägung unseres Landes. Zur Religionsfreiheit gehört auch, dass eine andersdenkende Minderheit das akzeptiert.
Da helfe ich doch gern! Einzelne (z.B. ich) haben überhaupt kein Problem mit einem Kruzifix. Ich finde es sogar ganz hübsch. Ich habe aber sehr wohl Einwände, wenn ein säkularer Staat die Verwendung bestimmter religiöser Symbole in staatlichen Einrichtungen vorschreibt. Das ist ja fast so, als würde er für die Kirchen den Zehnten eintreiben! Moment ...
Seit der Lektüre eines Artikels über Dr. Ignaz Semmelweiß verstehe ich die Abneigung von Hebammen gegen evidenzbasierte Medizin: Wer büßt schon gern einen haushohen Vorsprung bei der erfolgreichen Geburtshilfe ein? Und dann auch noch durch eine schnöde Substanz wie Chlorkalk?
Während das gesamte Internet angehalten wird, auf brachiale SEO-Taktiken und allzu viel Werbung zu verzichten, baut Google seine Startseite schrittweise zur AOL-Gedenkstätte aus. Auf den ersten Blick sieht das nach gelassenem Absolutismus aus, tatsächlich steht hinter allen G+-Links offenbar die nackte Angst.
Ein gewichtiges Argument für die Kölner Lokalpresse sind die regelmäßigen Zeitreisen in den Provinzjournalismus der Adenauer-Ära, zum Beispiel mit einem angewiderten Bericht von der Art Cologne:
Die Sinnfrage stelle ich mir auf solchen Veranstaltungen schon lange nicht mehr. Wieso auch? Viele Kunstwerke sind einfach nur abscheulich, ein weiterer Beleg für die Grenzenlosigkeit menschlicher Abgründe. Die Rede ist von Nahaufnahmen entblößter Geschlechtsteile jeglicher Art.
Seitdem mein Mac nicht mehr unangreifbar ist, fühlt sich auch mein Administrator-Account etwas zu machtvoll an. Die von Sicherheitsfachleuten empfohlene Lösung – eine Selbstdegradierung zum Standardnutzer – führt dazu, dass ich jetzt vier unterschiedliche Passwörter (Standard, Admin, Root, 1Password) memorieren muss. Zum Glück lassen sich base ebony foggy ml isaac
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ähnlich gut auswendig lernen wie meine bestehende Würfelphrase. Oder waren es hash ebony foggy habib ee
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und kerr it&t gab cluj base
? Egal – von mir lernen meine Kinder jedenfalls nicht, leichtfertig mit Passwörtern umzugehen.
Die Piratenpartei findet sich erstaunlich schnell in die Logik der Landespolitik ein:
Das Saarland macht sich kaputt, wenn es die Bremse nicht durchsetzt, denn dann sind wir am Ende bankrott und es gibt eine Zusammenlegung mit anderen Bundesländern. [...] Sparen kann man etwa bei der öffentlichen Verwaltung. Und ich persönlich plädiere für eine Zusammenlegung der Landkreise, auch das spart Geld ein.
Vermutlich treten die Piratinnen und Piraten noch etwas geschmeidiger auf, wenn sie demnächst im Landkreistag Saarland vertreten sind.
Meine instinktive Abneigung gegen PHP lässt sich offenbar gut begründen.
Angesichts der Verbreitung von Smartphones entwickeln traditionelle und hypermoderne US-Banken nicht etwa Ideen für NFC-Zahlungsverkehr, sondern Apps zum Einreichen von Schecks per Foto. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass US-Amerikaner an papiernen Schecks noch verbissener festhalten als an dem Recht auf Milizentum.
Das Auftauchen des Flashback-Trojaners hat mir die Illusion eines sicheren Macs geraubt. Und da ich zu konsequenten Lösungen neige, wird Oracle damit leben müssen, dass die Basis fast aller Arten von Netzwerkanwendungen und der globale Standard zur Entwicklung und Bereitstellung für mobile Anwendungen, Spiele, webbasierte Inhalte und Unternehmenssoftware
auf meinem System deaktiviert ist. Wie auch die plattformübergreifende, Browser-basierte Laufzeitumgebung für die hochwertige Wiedergabe von interaktiven Applikationen und Multimedia
weichen musste. Aber bei mehr als drei Milliarden javafähigen Geräten sollte das zu verschmerzen sein.
Außerdem habe ich jetzt wieder Platz für eine weitere obskure Programmiersprache. Go?
Es ist nicht zu fassen. In der Diskussion um einen offenen Brief an den werdenden Vater Sigmar Gabriel wird Cem Özdemirs sechswöchige Elternzeit allen Ernstes als Argument angeführt:
Dass Spitzenpolitik und Vaterschaft vereinbar sind, hatte 2009 Cem Özdemir bewiesen. Der Bundesvorsitzende der Grünen hatte sich damals Elternzeit genommen. Wenn auch nur für sechs Wochen.
Ich würde eher sagen: Cem Özdemir hat bewiesen, dass er seine familäre Situation politisch ähnlich effizient nutzen kann wie Helmut Kohl.