3 Die Anfänge des Kalten Krieges

Die Frage auf der Potsdamer Konferenz hatte gelautet: Was wird mit Deutschland? Vom Bemühen um eine gemeinsame Beantwortung waren die Alliierten bis 1947 abgekommen. Zwar gab es auch zwischen Frankreich und den angelsächsischen Mächten Spannungen, aber der Konflikt zwischen der Sowjetunion und den Westmächten wurde durch den Systemgegensatz verschärft. Anfang 1947 trat der bisher verschleierte Konflikt offen zu Tage, als Churchill am 5. März 1947 angesichts der sowjetischen Machtpolitik in Osteuropa von einem „eisernen Vorhang“ sprach und eine dauerhafte Spaltung des Kontinents prophezeite. Der US-Außenpolitiker George Kennan bezeichnete den Kommunismus sogar als „bösartigen Parasiten“, der sich von „verwesendem Fleisch“ ernähre. Auf der Grundlage der Überlegungen Kennans proklamierte US-Präsident Truman mit der Truman-Doktrin vom 12. März 1947 – während der mit vielen Hoffnungen verbundenen Moskauer Außenministerkonferenz – die containment policy zur weltweiten Eindämmung des Kommunismus. Auf diesen Frontalangriff reagierte Stalin am 9. April 1947 relativ zurückhaltend, indem er die Möglichkeit einer Kooperation zwischen den USA und der Sowjetunion nachdrücklich unterstrich. Massiven sowjetischen Widerstand gab es allerdings gegen ein wichtiges Instrument der Eindämmungs-Strategie, das bereits erwähnte Europäische Wiederaufbauprogramm (ERP). Dieses Programm stellte der neue US-Außenminister George C. Marshall in einer Rede am 5. Juni 1947 vor. Der nach ihm benannte Marshall-Plan hatte das Ziel, Staaten (in Europa vor allem Westdeutschland) durch wirtschaftliche Hilfe stärker an die USA zu binden und so gegen den Einfluß des Kommunismus zu immunisieren. Nachdem die Sowjetunion in der sowjetischen Zone und den Staaten Osteuropas die Annahme des Marschallplans verboten hatte – das ursprüngliche Interesse hatte sich angesichts der amerikanischen Bedingungen erledigt – begann der Kalte Krieg, der hier nicht als 1918 beginnender Systemkonflikt, sondern als zeitlich eingrenzbare Form der bipolaren Blockkonfrontation seit 1945/47 betrachtet wird. In der Geschichtswissenschaft lassen sich zu diesem bis 1989 andauernden Konfliktzustand drei Thesen unterscheiden: Die bis in die sechziger Jahre dominierenden „Traditionalisten“ sahen den Ursprung der harten Ost-West-Konfrontation im Expansionsstreben der Sowjetunion. Die „Revisionisten“, die vor allem während des Vietnamkrieges größere Beachtung fanden, gingen demgegenüber davon aus, dass die ökonomischen Globalziele der USA die legitimen Sicherheits- und Wiederaufbaubestrebungen der Sowjetunion in Frage gestellt und damit entsprechende sowjetische Gegenreaktionen hätten. Eine dritte Gruppe bezieht den Wechselprozess der amerikanisch-sowjetischen Politik stärker ein und vermeidet einseitige „Schuldzuweisungen“.

Eine wichtige Voraussetzung für die politische Stabilisierung eines „Weststaates“ im Rahmen des Westblocks war die Einbeziehung der französischen Zone. Nachdem die Außenministerkonferenz in London im Dezember 1947 gescheitert war, wich die französische Regierung – unter dem Druck der USA, die mit ERP-Mitteln lockten – von ihrer bisherigen Politik einer strikten Isolierung der eigenen Zone („seidener Vorhang“) ab und stimmte der weiteren staatlichen Konsolidierung im Westen zu. Eine Sechsmächte-Konferenz der westlichen Sieger und der Benelux-Staaten (23. Februar – 6. März 1948) in Brüssel ergab ein klares Votum zugunsten eines föderalen Weststaates in der Trizone und der Annahme des Marschall-Plans. Außerdem schlossen die beteiligten europäischen Staaten den gegen die Sowjetunion gerichteten Brüsseler Pakt zur Bildung einer Militärallianz („Westunion“), die im April 1949 in die Gründung der NATO mündete. Moskau reagierte darauf mit dem Auszug seines Vertreters General Sokolow aus dem Alliierten Kontrollrat am 20. März 1948, womit die Viermächte-Verwaltung Deutschlands symbolisch beendet wurde. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Sechsmächte-Konferenz waren die „Londoner Empfehlungen“ vom 7. Juni 1948, die das Angebot zur Errichtung eines westdeutschen Bundesstaates und Grundsätze für dessen Verfassung enthielten. Damit löste man sich vom Rahmen des Potsdamer Abkommens durch die enge Verzahnung von europäischem und deutschem Wiederaufbau. Frankreich war erst nach massivem amerikanischem Druck auf diese Linie eingeschwenkt.

Knapp zwei Wochen später (20./21. Juni 1948) wurde in den drei westlichen Zonen eine Währungsreform durchgeführt, deren Modalitäten von amerikanischen Finanzexperten bestimmt wurden. Die Sowjetunion beschuldigte den Westen zunächst, dadurch die Teilung zu zementieren, folgte aber drei Tage später mit einer eigenen Reform in der SBZ. Daraufhin bezogen die drei Westmächte auch West-Berlin in die Währungsreform ein, so dass dort bis März 1949 beide Währungen nebeneinander galten. Die zweite Antwort der sowjetischen Regierung auf die westliche Reform bestand in der Blockierung aller Land- und Wasserwege nach Berlin am 24. Juni 1948. Die USA und Grobritannien reagierten mit einer Gegenblockade (Einstellung aller Lieferungen in die Ostzone) und der Einrichtung einer Luftbrücke, die die in Berlin stationierten westlichen Truppen (auch die französischen) und die 2,2 Millionen West-Berliner selbst im Winter 1948/49 versorgte. Am 12. Mai 1949 wurden Blockade und Gegenblockade aufgehoben.