Obwohl ich seit einigen Monaten eine schöne, sauber erwürfelte Passphrase verwende, bin ich noch nicht auf der sicheren Seite: Zwar leidet meine Phrase nicht wie menschengemachte Ausdrücke unter einem Mangel an Randomität, erreicht aber gerade mal das Schutzniveau einer verschlossenen Bürotür. Nach dem ersten Schreck habe ich mich mit dem Sicherheitsbeauftragten auf die Phrase chevy kt macro infect leggy nit pious prima false
geeinigt und sie selbstverständlich nicht auf einem Zettel notiert.
Ein badischer Gesichtschirurg möchte es als neuer Vorsitzender der Großen Karnevalsgesellschaft von 1823 so richtig krachen lassen:
Sein Wahlspruch ist: In die Zukunft mit Eleganz, aber ohne Arroganz.
Man wolle auf hohem Niveau feiern, im Frack und stets im Gürzenich.
Ein Jammer, dass die Feierei verkleideter Plebejer außerhalb des Gürzenichs das Ansehen des Kölner Karnevals Jahr für Jahr beschädigt.
Anthony Vaccarello macht die unausgesprochene Körperfeindlichkeit der Haute Couture öffentlich, aber offenbar gilt der Bruch der Omertà in Paris als lässliche Sünde, anders als etwa antisemitische Ausfälle. Diese Haltung könnte einem die Branche fast sympathisch machen, wenn die verflixten Hosen der diesjährigen Frühjahrsmode nicht alle so kurz wären.
In der Süddeutschen Zeitung bricht Alex Rühle eine Lanze für die Bahn als Verkehrsmittel:
Jeder Zug fährt durch gestundete Zeit, während ein Auto einfach nur in den Tag hineinbraust: Kein Autofahrer wird sagen, so, Kinder wir sind um 14.02 Uhr in München los, also kommen wir um 19.32 in Hamburg an. Die Bahn muss das aus guten Gründen tun. Der Bahnfahrer, der um 19.40 immer noch durch die Vorstädte Hamburgs gondelt, hämmert dann vor dem Schaffner mit seinem Zeigefinger habichtgleich auf dieser Zahl herum: Hier steht's: 19.32. Wir sind acht Minuten zu spät!
Wohingegen der Autofahrer, der noch um halb zehn im Stau steckt, nur denkt: Tja, dauert eben.
Dem kann ich mich nur anschließen. Köln – Berlin: 1 Minute Verspätung, Berlin – Köln: 3 Minuten. Dermaßen pünktlich schaffe ich es an schlechten Tagen nicht mal vom Schlaf- ins Badezimmer.
Parallel zum Versuch, auch die Namensauflösung zu dominieren, möchte Google die Fundamente des Internets verbessern, unterstützt von Microsoft. Natürlich nur im Dienste der Nutzerinnen.
Trotz des umwerfenden Erfolgs des Ultraviolet-Systems bieten die Gebrüder Warner seit kurzem eine weitere Möglichkeit, das Nutzungsrecht für Filme mehrfach zu erwerben.
Das können die Ultravioletten natürlich nicht auf sich sitzen lassen: Bei Walmart können DVD-Besitzerinnen künftig für das Recht bezahlen, einige der auf ihren DVDs enthaltenen Filme unter Umständen eine gewisse Zeit lang aus dem Netz streamen zu können, wenn sie ein geeignetes Abspielgerät besitzen. Take that, Warner!
Nationalsozialistische Funktionäre hatten ein erstaunliches Talent, auf wirklich jedem Gebiet maximal abstoßend zu erscheinen. Josef Škvorecký etwa erinnert sich in seiner Autobiographie, dass ein Gauleiter in der besetzten Tschechoslowakei – historisch nicht ganz korrekt, denn im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren
gab es keine Gaue – Jazz nicht einfach verbot. Stattdessen verstieg er sich zu einem Regelwerk von atemberaubend pedantischer Spießigkeit:
- Pieces in foxtrot rhythm (so-called swing) are not to exceed 20% of the repertoires of light orchestras and dance bands;
- in this so-called jazz type repertoire, preference is to be given to compositions in a major key and to lyrics expressing joy in life rather than Jewishly gloomy lyrics;
- As to tempo, preference is also to be given to brisk compositions over slow ones so-called blues); however, the pace must not exceed a certain degree of allegro, commensurate with the Aryan sense of discipline and moderation. On no account will Negroid excesses in tempo (so-called hot jazz) or in solo performances (so-called breaks) be tolerated;
- so-called jazz compositions may contain at most 10% syncopation; the remainder must consist of a natural legato movement devoid of the hysterical rhythmic reverses characteristic of the barbarian races and conductive to dark instincts alien to the German people (so-called riffs);
- strictly prohibited is the use of instruments alien to the German spirit (so-called cowbells, flexatone, brushes, etc.) as well as all mutes which turn the noble sound of wind and brass instruments into a Jewish-Freemasonic yowl (so-called wa-wa, hat, etc.);
- also prohibited are so-called drum breaks longer than half a bar in four-quarter beat (except in stylized military marches);
- the double bass must be played solely with the bow in so-called jazz compositions;
- plucking of the strings is prohibited, since it is damaging to the instrument and detrimental to Aryan musicality; if a so-called pizzicato effect is absolutely desirable for the character of the composition, strict care must be taken lest the string be allowed to patter on the sordine, which is henceforth forbidden;
- musicians are likewise forbidden to make vocal improvisations (so-called scat);
- all light orchestras and dance bands are advised to restrict the use of saxophones of all keys and to substitute for them the violin-cello, the viola or possibly a suitable folk instrument.
Das völlig unsozialdemokratische Effizienzstreben hat dazu geführt, dass nur noch junge Menschen, Frauen, ArbeitnehmerInnen und alte Menschen an Bundesvorstandssitzungen teilnehmen dürfen. Vorschlag zur Güte: Sämtliche männlichen Unternehmer mittleren Alters wechseln zu den Freien Demokraten – die FDP kann's brauchen, die Profile beider Parteien werden geschärft, und die Sitzungen des SPD-Bundesvorstands dauern künftig nicht länger als 17 Stunden.
Ein Vorteil meiner bilderfreien Website besteht darin, dass ich den Verkaufsstart des neuen iPad entspannt zur Kenntnis nehmen konnte. Anders als weniger vorausschauende Website-Betreiber.
Es ist wohl doch kein Zufall, dass mir die Toy Story immer etwas unheimlich war.
Das hat er eigentlich nicht verdient. Sicher, Karl-Theodor zu Guttenberg hat einige Fehler gemacht, aber immerhin ist er zurückgetreten. Statt den ehemals promovierten Juristen nun in Ruhe zu lassen, nutzt Walter Otremba die Geschichte des Politbarons zur Abrechnung mit seinem eigenen verpfuschten Leben. 30-jährige Ministeriallaufbahn, Führungsverantwortung unter drei Ministern, unbestechlich, Spitzenkraft – aber nur magna cum laude. Vor mehreren Jahrzehnten hat eine strenge Volkswirtschaftsprofessorin
gewagt, Walter Otremba trotz mühsam erworbener Freundschaft mit der Hamiltonian-Lösung für nicht-lineare Differentialgleichungen
nicht mit der Bestnote zu bedenken. Walter Otremba! Dr. Walter Otremba! Staatssekretär Dr. Walter Otremba! Wir wünschen ihm, dass er sich bis zu seiner Pensionierung von dieser Schmach erholt.
Der US-Nahrungsmittelkonzern Mars will künftig nur noch Süßigkeiten mit maximal 250 Kalorien verkaufen. Bis Ende 2013 soll die Produktion umgestellt werden, teilte das Unternehmen aus Virginia mit. Der Hersteller bekannter Schokoriegel wie Mars, Snickers und Twix sagt, er wolle damit für eine gesündere Ernährung bei den Konsumenten sorgen.
Ich muss gestehen, dass mir zu diesem bodenlosen Zynismus kein lustiger Kommentar einfällt.
Ein Streitgespräch zwischen dem bayerischen Grünenvorsitzenden und seinem piratischen Pendant lässt tief in die grüne Seele blicken. Auf die nüchterne Feststellung, die Grünen seien eine etablierte Partei, reagiert Dieter Janecek im bewährten CSU-Stil:
Wir regieren in den Bundesländern an die 30 Millionen Menschen. Wir sind doch keine Vergangenheitspartei.
Zu diesem Selbstbild passt auch die eines FJS würdige Begründung für die grüne Frauenquote:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Spaß macht, nur mit Männern in einem Raum zu sitzen. Sexy ist das nicht.
Wenn ich nicht vor einigen Jahren mit dem Kauf repräsentativer, aufwendig gebundener Papierbrocken abgeschlossen hätte – The Great American Cereal Book würde sich sehr gut neben der Far Side-Werkausgabe machen.